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The worm and the tree

Procol Harum 1977

The worm and the tree

Eine kleine Geschichte ums Werden und Vergehen. Sympathisch schlicht aus einer Zeit der großen Umbrüche in der Rockszene. Nicht nur deshalb mag ich auch solche Musik, die nicht laut schreiend auf sich aufmerksam macht. Sie lässt sich entdecken. Sie atmet zwar etwas Vergangenheit, ist aber in ihrem Wesen zeitlos. Artpop aus der ersten Reihe, damals wie heute. Eine Einladung zum Nachdenken und träumen oder ganz einfach zum Zurücklehnen und geniessen.

Gebrochener Stolz

Stolz war es einst, das grosse Schiff.
die Segel flatterten im Wind
vorbei am grossen Riff
mit leiser Kraft vom himmlischen  Kind.

Über Wellen glitt es dahin
allein auf weitem Meer
Sturm brach aus
es hielt ihm Gegenwehr,
bis dass es wieder vor dem Riffe stand
Es war zu schnell
und näher kam der gefährliche Strand.

Stolz war es einst, das grosse Schiff.
die Segel flatterten im Wind
vorbei am grossen Riff
mit tödlicher Kraft vom himmlischen  Kind.

Ein Traum aus Wolken

Im Lande Traum
sah ich einst zwei Pflanzen,
man glaubt es kaum
Im Abendlichte miteinander tanzen.

Es waren Blumen wunderschöner Natur,
von Leidenschaft bewegt,
dem Winde sich beugend nur,
von innerer Stimme völlig erregt.

Sie tanzten den Reigen der Geschlechter,
die Blüten schamlos enthüllt,
umschlungen waren sie jetzt noch fester,
von zärtlichster Hingabe erfüllt.

Der Wind blies sie zum Tanze
und er blies immer mehr.
Sie wurden getrennt in ihrem Glanze
und verloren sich im Himmelmeer.

Doch die Wurzeln sind geblieben.
Sie leben in den Wolken immerfort
und vielleicht treffen sich die beiden Lieben,
später wieder, an einem ganz geheimen Ort.

Von H nach p

Einst vernahm eines neuen Gedanken zarte Knospe eine wohlgesinnte Stimme.
suchend nach dem Wege, wesensgleicher Erfüllung, im Reich der Sinne.
Erlauschte Lautlosigkeit, erfühlte Sinnesreize und aufgehellte Phantasien Pracht,
Zartes fühlend, Hartes gebend, Schauer erregend und begehrend die ganze Nacht.

Es schoss aus einem Wesen der Gedanke Traum ans Tageslicht
aufgenommen vom anderen Wesen verschwand er aber nicht,
sondern fesselte die Körper, Geister, Seelen dicht,
ward immer enger, nahm ihnen die Freiheit nicht.

Berührt von seiner Schwester Gedanken Pollen,
wuchs Hingabe Bereitschaft dienen wollen,
ausgeschlüpfter Zauber Schönheit zeigen wollen,
fürsorglich Lust und Freude teilen wollen.

Doch in des einen Wesens Innern dunkler Wege, Irrlicht Krisis
Trüber Stimmung Sicht, Nebel Schatten Finsternis
Dem Gedanken Freiheit Schönheit Liebe nahm
Enttäuschung Leere Zweifel die Seelen überkam.

Des Gedanken Blüten dorrten welkten brannten gingen ein
ohnmächtige Ergriffenheit Betroffenheit, endlos traurig sein
Der Seelen Wellen Rauschen Insel Ruhe Kostbarkeit
Entzweit gespalten gebrochen - Einsamkeit.

Der Gedanke schien vergessen verschwunden, Trauer überwunden
als aus der verkohlten Blüten Asche eine neue zarte Knospe herausgefunden.
Erlauschte Lautlosigkeit, erfühlte Sinnesreize und aufgehellte Phantasien Pracht,
Zartes fühlend, Hartes gebend, Schauer erregend und begehrend die ganze Nacht.

Der Spiegel

Zu wandeln auf meinem Weg hat’ ich im Sinn
nach dem Nichts, ein Neubeginn
Aus mir selbst herausgetreten, von aussen inwärts gespäht
auf Liebe hoffend, ins Herzen einen Keimling gesäht.

Du warst es, die an mich dachte
mich besuchte, mit mir lachte
und mit Deinen Augen, glänzend wie zwei Stern
Licht mir brachtest in meines Herzens Kern.

Längst vergangen sind die Tage
Die Erinnerung an dunkle Leere ist nur noch vage
Einzig der Keimling trotzig Wurzeln trieb
flüsterte: «ich hab Dich lieb».

Ich spüre es fest im jetzt und hier
das wahre Glück kam zurück zu mir.
Der einstige Keimling ist längst gefestigt und fand Gestalt
Ich bin es selbst! – in Deinem Spiegel halt.

Ich spüre die Liebe und erinnere mich
welch Glück – ich liebe Dich!
Aber nur ganz nah bei Dir wird mir die Schönheit offenbar.
Erst in Deiner Augen Glanz erstrahlt die Liebe wunderbar.

Ich habe es eilig

Übersetzt aus dem Portugiesischen

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Treffen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Regelungen besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht erwachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten umzugehen.

Ich will nicht in Versammlungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich dulde keine Manipulierer und Opportunisten.

Ich ärgere mich über Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihre Plätze, Talente und Errungenschaften anzueignen.

Leute diskutieren keine Inhalte, nur Überschriften.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren.

Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile …

Ohne viele Süssigkeiten in der Packung…

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.

Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja … ich habe es eilig … mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden …

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Der Clown

In jenem Zelt
des Zirkus Welt
unter allen Wesen
die zu dieser Zeit dort gewesen,
- allein -
bewegte sich im engen noch gebliebenen Raum
der Clown.

Er tanzte, hüpfte, sprang,
weinte, lachte, sang
und liess sich unter lautem Schallen
auf seine dicke rote Nase fallen.

Applaus, Applaus,
sein Auftritt war noch nicht ganz aus.
Er stieg aufs Seil von starren Blicken Erwartungen
gezwungen.

Totenstille -
Trommelwirbel -
nur noch ein zwei Schritte 
bis zur Mitte. -
Ein Schrei zerriss die Stille.

In jenem Zelt
des Zirkus Welt
unter allen Wesen
die zu dieser Zeit dort gewesen,
- allein -
fiel im engen noch gebliebenen Raum
der Clown.
zwischen Zeit
und Ewigkeit.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Das Fest der Liebe 12/13

Gedicht zum Advent (Neufassung von 2018)

Es glitzern die Lichter im Advent und Düfte von Zimt, Nelken und Wein
laden zum Besuch des Jahrmarkts ein.
Schenken will ich, das bringt Glück! 
Den einen Lieben ein edles Stück
und den lieben Kindern was zum Spielen,
nicht ohne auf deren funkelnden Augen Dank zu schielen. -

Laute Verkäufer, mahnende Worte müder Eltern und der Kinder Geschrei.
der Leute Gemurmel, Weihnachtslieder, Durchsagen, Einerlei 
Verloren in Menschenmassen Bedürfnissen, allein
Übersatt von Angeboten und Feilscherei'n
sehnt mein Herz nach einer Pause;
sehnt es sich nach Hause.

Stimmengewirr und Marktgetöse in der Ferne verhallen
Schneeflocken leise tanzend vom Himmel fallen,
der schnaufend Hauch entweicht sichtbar in die kühle Winternacht 
Die Welt verstummt im Kleid der weissen Pracht.
nur knirschende Schritte und des Atems dumpfer Klang
bleiben hörbar auf des Heimwegs Gang.

Aus der Stille erklingen leise Töne, und festliche Musik lässt ahnen
wo sich der Liebe, Freude Wurzeln bahnen.
Lauschend den nun immer mächtigeren Chören
mitsingend, mitschwingend, beschwörend.
Des Herzens Schlag hebt an zu schweben,
das Himmelreich im Innern beginnt sich zu erheben.

Jetzt endlich, alleine mit der Zeit, 
fliesst der eigenen Liebe Kraft und Energie.
Glühendes, glitzerndes Leuchten in die Augen steigt,
Welt und Gott sich fanden, klingen zusammen in Harmonie.
Himmlische Chöre und Posaunen Schall, 
Fröhliche Weihnachten überall.

 

Original Fassung von 2012