Zitat zum Nachdenken

Der Mensch hat viele Bedürfnisse. Das Geltungsbedürfnis steht obenan.
Lothar Schmidt, deutscher Volkswirtschaftler und Jurist (geb. 1922)

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Beitragsinhalt
Das Ende einer Machtmaschine
Der erste Coup
Der zweite Coup
Das Anti-Establishment
Der Krieg um die Bankgesellschaft
Innenpolitik des Politikers
Das süsse Gift des Erfolgs
Diesen September tanzte er mit seiner Frau Silvia am Presseball, als irgendein schlecht tanzender Anfänger ihm auf die Lippe schlug. Erst machte er einen Witz, aber das Blut stoppte nicht. Lange vor allen anderen verliessen die Blochers vor Mitternacht den Ball. Es war der erste böse Schlag in einem bösen Herbst. Noch ein Jahr zuvor funkelte alles vor Triumph; Christoph Blocher war Bundesrat, seine SVP hatte die Wahlen gewonnen, die Blochers tanzten bis tief in die Nacht.

Damals sagte sein Bruder, der Bundesrat sei ein Gefängnis, aber Christoph der Gefängnisdirektor. Und Ueli Maurer erklärte, die SVP Zürich dominiere heute die SVP Schweiz total - dank dem beispiellosen Vorbild Christoph Blocher. In diesen Tagen sah man Christoph Blocher fast entspannt: Er trug das Lächeln einer gut gefütterten Katze.

Heute trägt er den Ausdruck eines alten Boxers. Inzwischen abgewählt, bewirbt sich der Alt-Bundesrat erneut - ohne zählbare Chance. Dafür mit Konkurrenz in der eigenen Partei. Neben ihm kandidiert in der SVP ein lächerlich grosser Haufen für den Bundesrat: darunter ein Lastwagenchauffeur und ein Masttierzüchter.

Der ehemals gefürchtetste Politiker der Schweiz verbreitet nun Schrecken vor allem im engsten Kreis seiner Getreuen, die als Einzige noch nicht wagen, gegen ihn anzutreten. Wie ein Verkäufer muss er sich selber als Nummer eins loben.

So also sieht der Verlust von Macht aus: Galt Blocher noch vor kurzem als grosser Redner und genialer Stratege, so raunen seine Fraktionsmitglieder nun von langen unklaren Reden, ärzte analysieren öffentlich seinen Geisteszustand, kleine Tiere der eigenen Partei verbeissen sich in seine Zehen. Es ist ein bitterer Kampf. Umso bitterer, als dass Christoph Blocher die wuchtigste Machtmaschine des Landes aufbaute: In vierzig Jahren schaffte er eine Multikarriere zum Milliardär, Parteiführer, Oberst, Industriellen, Doktor, Familienvater und konservativen Intellektuellen.Wie schaffte er das? Und warum fliegt ihm die Maschine nun um die Ohren?



 
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