Zitat zum Nachdenken

Geiz ist das einzige Laster, das sich in den Augen der Nachkommen in eine Tugend verwandelt.
Martin Held, deutscher Schauspieler (1908 - 1992)

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Es ist gut möglich, dass in den kommenden Jahren drei Arten des Lesens übrig bleiben. Die erste ist das Lesen zur Ablenkung – was auch die schnell am Flughafen gekauften Bücher so beliebt macht. Die zweite ist Lesen zum Zweck der Information – daran denkt man bei Begriffen wie Computerausdruck, Download von einer Website und Suchmaschine. Die dritte Art des Lesens ist der überrest des grossen Zeitalters der Bildung und Belesenheit und macht den Prozess aus, durch den der Rationalismus anwuchs und sich zur Blüte entfaltete.

Dies erfordert Ruhe, Geduld, die Fähigkeit zur Reflektion, Geübtheit darin, Komplexität als Anreiz zu begreifen, und vor allem die Bereitschaft, die Ablenkungen der Welt für eine Weile beiseite zu lassen, so dass aus Leser und Text eine Einheit von Zeit, Raum und Vorstellungskraft wird. Wenn das Lesen in dem gerade von mir beschriebenen Sinn abnimmt, nimmt damit auch unsere Fähigkeit zu rationalem Denken im gleichen Masse ab? Ich denke, wir haben bereits erste Antworten auf diese Frage erhalten. Man schätzt, dass es in Amerika mittlerweile 60 Millionen Analphabeten gibt, wobei Analphabetismus definiert ist als die Unfähigkeit, die Anweisungen auf einer Medikamentenflasche zu lesen.

Weiterhin schätzt man, dass es bis zu 60 Millionen sogenannter Alliteraten gibt, das heisst Menschen, die zwar lesen können, es aber nicht tun. Deutet dies hin auf einen Rückgang der Art von Intelligenz und von Denkvermögen, die wir mit der Fähigkeit zum Lesen und Schreiben assoziieren? ...
Wir bewegen uns hin zu einem sowohl staatenlosen als auch gemeinschaftslosen Individuum, hin zu einer Situation, in der der oder die Einzelne nur noch sich selbst hat als Mass aller Dinge. Während die Druckerpresse uns die Vorstellung nahe brachte, dass die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen genau so wichtig sind wie die Wünsche und Bedürfnisse der Gemeinschaft, so fördern die neuen Medien die Vorstellung, dass die Gemeinschaft keinerlei Bedeutung mehr hat.

Professor Dr. Neil M. Postman

Von Gutenberg zu Gates 

Neil Postman, geboren 1931 in New York City, studierte Pädagogik an der State University of New York und der Columbia University. Seit 1959 war er Professor für Kommunikationswissenschaften mit dem Spezialgebiet Medienökologie an der New York University in Manhatten, wo er 1971 an der privaten Steinhardt School of Education das Spezialgebiet «Media Ecology» ins Leben rief. Seine Vorlesungen fanden derart grossen Zuspruch, dass er 1993 als einziger Lehrender der Steinhardt School zum Universitätsprofessor ernannt wurde. Bis 2002 leitete er ausserdem den Fachbereich für Kultur und Kommunikation.
Seine Ausführungen über die Entmündigung der Gesellschaft durch die neuen Medien machten Postman weltweit bekannt. Auch in der Bundesrepublik wurden seine Thesen heftig und kontrovers diskutiert. Als Festredner der Frankfurter Buchmesse prophezeite er Amerika im Orwell-Jahr 1984 und in Anlehnung an Aldous Huxleys Zukunftsbuch «Schöne neue Welt», es werde sich als erstes Land «zu Tode amüsieren». Sein gleichnamiges Buch wurde in 8 Sprachen übersetzt und 200.000 mal verkauft.

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Das Verschwinden der Kindheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt /Main, 1983
  • Wir amüsieren uns zu Tode: Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Fischer Verlag, Frankfurt /Main, 1985
  • Das Technopol: die Macht der Technologien und die Entmündigung der Gesellschaft. Fischer Verlag, Frankfurt /Main, 1992
  • How to watch TV news (Neil Postman and Steve Powers). Penguin Books, New York, 1992
  • Keine Götter mehr: das Ender der Erziehung. Berlin Verlag, Berlin, 1995
  • Der Auftrag der Schule heute. Wirklichkeit und Unwirklichkeit in der Erziehung. Mayer Verlag, Stuttgart, 1998
  • Die zweite Aufklärung: vom 18. ins 21. Jahrhundert. Berlin Verlag, Berlin, 1999

 

 
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